Dienstag, 25. September 2007

Letztes Wochenende war - wie angekündigt - einiges los. Nicht nur Ereignisse, wie die "Noche en Blanco" oder Ruths Besuch, nein, noch viel mehr!
Aber der Reihe nach...

Samstag hatte sich also Ruth (aus meiner Weiterbildung) angekündigt. Sie arbeitet in Santander (im Norden Spaniens) bei der Gewerkschaft und wurde von den Companeros über's Wochenende mit zu einer Veranstaltung der Kommunistischen Partei in Madrid genommen - eine Dienstreise sozusagen.
Da ich Noe und Eduardo versprochen hatte, thailändisch zu kochen (nachdem ich ja nun einen asiatischen Lebensmittelladen gefunden habe und Noe auch noch nie thailändisch gegessen hat - in Spanien gibt's zwar diverse chinesische Restaurants und einige Sushi-Lokale, aber sonst sieht es mit der asiatischen Küche eher mager aus), lud ich Ruth zunächst zu uns zum Essen ein. Eduardo brachte auch noch einen Freund mit - somit waren wir eine größere, lustige Runde.
Nach dem Essen machten Ruth und ich uns auf in die Stadt. Zuerst ein wenig shoppen, dann zeigte ich Ruth die Innenstadt (Ja, Ihr habt richtig gehört! Ich kann jetzt schon mit Stolz behaupten, kleinere, geführte Touren anbieten zu können. Ein weiterer Anreiz für Euch, mich besuchen zu kommen!)

Die Straße "Fuencarral" - eine DER angesagtesten Shoppingmeilen der Stadt, und das direkt bei uns um die Ecke (gefährlich, gefährlich...):



Das Herz des Stadtteils Malasaña, die "Plaza Dos de Mayo". Auf dem Platz und in den Gassen drum herum gibt es unzählige Bars und Clubs, hier ist ein Hotspot des Madrider Nachtlebens. Historisch soll der "Platz des 2. Mai" an die Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 erinnern, in der madrilenische Aufständische dort (wo sich damals der Palacio Real befand) gegen die französischen Truppen rebellierten, anschließend jedoch auf dem Hügel von Principe Pio zusammengetrieben und erschossen wurden.
Um das Mahnmal zu schützen, gibt es hier heute auch oft Polizeistreifen (allerdings ist die Gegend trotz des "wilden" Nachtlebens und vieler Jugendlicher sehr friedlich).

Sonntags gibt es auch einen kleinen Flohmarkt.

Und typisch für alle Plazas in Madrid sind ja die "Terazas", hier kann man bei Bier und Tapas wunderbar verweilen.


In einer Seitenstrasse:

Dann kamen wir ins Zentrum, zur "Plaza de la Puerta del Sol".

Das Wappen von Madrid zeigt einen Bär unter einem "Madroño"-Baum. Auf der Plaza de la Puerta del Sol steht auch die passende Statue - Begierde eines jeden Touristen. Natürlich ("por supuesto") nötigte ich Ruth, auch ein Foto von mir zu machen.

"el oso y el madroño" im Stadtwappen Madrids:

"el oso y el madroño y Antje":

An dieser Stelle könnte man eine ganze Abhandlung über den "Maroño"-Baum schreiben. Nachdem ich überall die Übersetzung "Erdbeerbaum" fand, daraufhin mit Noe und Eduardo diskutierte, wieso Erdbeeren und was die an nem Baum verloren haben und dass diese Übersetzung einfach falsch sein muß, fand ich dann doch folgendes im Internet (Wikipedia - merci, dass es Dich gibt!):

Die Erdbeerbäume (Arbutus) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Gattung ist mit etwa 20 Arten in Nord- und Mittelamerika sowie im Mittelmeergebiet und auf den Kanarischen Inseln beheimatet. Die in Europa wohl bekannteste Art ist der Westliche Erdbeerbaum (A. unedo), ein immergrüner Strauch oder Baum mit einer Wuchshöhe von 3 bis 5, selten bis zu 10 m.

Und schließlich die Bestätigung:

Ein Bär, der von einem Erdbeerbaum nascht, ist das Stadtwappen der spanischen Hauptstadt.
- q.e.d. -


Madrid veranstaltete Samstag Nacht seine zweite "Noche en Blanco" - als Teil der "Noches Blancas Europa", die auch in Riga, Rom, Brüssel und Paris stattfinden. Stellt Euch vor, Berlin würde seine "Lange Nacht der Museen" und die "Fête de la Musique" zusammenlegen - ungefähr diesen Eindruck vermittelte das umfangreiche Programm.

Bevor wir uns also in die Nacht stürzten, stärkten wir uns mit Tapas.


Dann ging's auf durch die Innenstadt. Da wir keine Lust auf überfüllte Museen hatten, liefen wir einfach durch die Straßen. Überall waren Menschenmassen über Menschenmassen. Zwar kamen wir auch an der ein oder anderen aufgebauten Bühne vorbei, jedoch von den angekündigten "espectáculos" kaum eine Spur. Lediglich vereinzelt trafen wir auf Straßenmusiker. Nun könnte man mutmaßen, dass wir - ganz in deutscher Manie - zu früh unterwegs waren. Jedoch änderte sich auch gegen Mitternacht nichts. Evtl. immer noch zu früh? Naja, letztlich kamen ich dann doch noch in den Genuß einer Lichtshow am Plaza España. (Ruth, es tut mir leid, Dir mitteilen zu müssen, daß diese einige Minuten später begann, nachdem Du in der U-Bahn verschwunden bist. ¡Qué mala suerte!)




Hier seht Ihr im Hintergrund das Gebäude, in dem die Lichtshow stattfand. Kurz nachdem ich die Fotos gemacht hatte, wurde das Licht an der Statue ausgeschaltet und die Show begann.
Ja, genau, das ist die Statue des Dichters Cervantes mit seinen beiden Haupthelden Don Quixote und Sancho Panza.


Mein ernüchterndes Fazit: "Warum bin ich nicht doch zum BAM-Festival nach Barcelona gefahren?" (Ruth, das ist nicht persönlich gemeint! Wir haben das Beste daraus gemacht...)

Sonntag beschloß ich dann, in eines der unzähligen Museen der Stadt zu gehen (um meinem verkorksten "Kulturwochenende" doch noch etwas Rechnung zu tragen). Meine Wahl fiel auf das "Museo del Prado". Es gilt als eine der besten Pinakotheken der Welt und beherbergt Meisterwerke der universalen Malerei, unter anderem Velázquez, Goya, El Greco, Tizian, Dürer, Bosch und Rubens.



Nach dem Museumsbesuch, entschied ich mich, ganz nach Madrilener Art den "Paseo del Prado" (die Lieblingspromenade für Sonntagsspaziergänge der Madrilener), entlang zu schlendern.


Und wiedermal stolperte ich zufällig in ein großes Ereignis, was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht ahnte... - Die "VUELTA 07", nach der "Tour de France" und der "Giro d'Italia" das drittgrößte nationale Radrennen, welches an genau diesem Sonntag mit seiner 21. Etappe in Madrid zuende gehen sollte (was ich, wie gesagt, zu diesem Zeitpunkt alles noch nicht wußte!).

Während ich also nichts ahnend den Paseo del Prado entlang spazierte, mich zwar wunderte, warum die gesamte Straße gesperrt und sogar Tribünen aufgebaut waren, geriet ich immer weiter in Menschenmassen. Erst dachte ich ob der vielen Reisebusse, das sei halt der sonntägliche Touristenaufmarsch... ich naives Ding...
Nachdem ich jemanden fragte, was das für eine Veranstaltung sei, erfuhr ich, dass es sich um ein Radrennen handelt. Na gut, dachte ich, wieder mal eines von unzähligen Events in dieser Stadt. Ich überlegte, ob ich davon wirklich alle miterleben müsste oder wollte. Da sich meine Begeisterung für den Radsport nun aber doch in Grenzen hält, ich mit dem Namen "la Vuelta" zudem nix anfangen konnte, und mein Hunger größer als meine Neugier war, entschied ich mich, meinen Tag zu beenden und nach Hause zu fahren. - ¡Qué pena! Wenn ich gewußt hätte, was ich mir da entgehen lasse... - ich wäre natürlich geblieben und hätte meinen niederen Bedürfnissen getrotzt. (Ich will mich jetzt nicht als Sportfreak darstellen, aber SOLCH EIN Ereignis sieht man schießlich nicht alle Tage.)

Dummheit schützt vor Strafe nicht, wie es so schön heißt. Daher hier nur die Fotos VOR dem Finale der "VUELTA 07":

(Quelle: http://www.radsport-aktiv.de/sport/sportradrennenkarte_4_34.php)



Was mich jedoch ein wenig überrascht, ist, dass schon wieder Russland vor Spanien gesiegt hat. Nach dem sehr knappen Sieg der russischen Basketballnationalmannschaft vor einigen Wochen - mit nur einem (!) Punkt - nun auch noch das! ¡Qué lamento! Aber wenigstens hat Spanien die Russen im Volleyball besiegt. (Nee, ich will mich immer noch nicht als Sportfreak aufblasen. Aber an den Basketballspielen im TV kam man hier einfach nicht vorbei. Und da Eduardo SEHR sportinteressiert ist und der Fernseher bei uns fast immer läuft, bekomm ich halt viel davon mit...)
Na dann verabschiede ich mich mit einem sportlichen ¡Adiós! von Euch - bis nächste Woche!

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