Montag, 29. Oktober 2007

Nach langer Durststrecke endlich wieder ein paar Neuigkeiten von mir - dafür seeeeeeeeeehr ausführlich... ;o)

Mit Andrea hatte ich ein super „Mädels-Wochenende“, bei dem wir ausgiebig Shoppen waren, uns ins bunte Nachtleben stürzten und den schönen Dingen widmeten – sowohl kulinarisch als auch mit einem Museumsbesuch im „Museo Thyssen“ und Spaziergängen durch die Altstadt, das Schwulenviertel „Chueca“ und das Literatenviertel „Huertas“. Hier ein paar Eindrücke:



(Altstadt - Puerta del Sol:)
(Huertas, das Literatenviertel mit seinen vielen Bars und Cervecerias:)





(Plaza de Santa Ana, das Herz des Literatenviertels:)
(eines der vielen Theater:)
Besonders beeindruckend war unser nächtlicher Ausflug in die „Momabar“, eine angeblich recht „angesagte Tanzlocation“. Den Tipp hatte uns ein Argentinier aus der Bukowski-Bar gegeben, in der wir die Nacht zuvor waren. Die Bukowski-Bar war nicht meine Idee, sondern Andrea wollte sich, durch meine Berichte neugierig geworden, von diesem „Sündenpfuhl“ selbst ein Bild machen. (Jan, ich muss an dieser Stelle etwas richtig stellen: was ich in einem meiner ersten Berichte erwähnt habe, dass sich zu späterer Stunde und mit erhöhtem Alkoholkonsum alle ‚Bukowskier’ in den Armen liegen und/oder rumknutschen – sprich, in spanischer Manie einfach „lieb haben“ – betrifft hauptsächlich Privatparties oder die Mittwochnacht, in der die ganze „Dichterriege“ bei der allwöchentlichen Lesung anwesend ist und danach ausgiebig feiert. Eurer Reiseplanung nach, wirst Du aber "leider" nicht in den Genuss kommen, diesem Schauspiel beizuwohnen. – Ich will einer eventuellen Enttäuschung nur vorbeugen…)
Die Momabar war nun also volles Kontrastprogramm: super aufgeschickt und stylisch, vom Interieur bis hin zu den Gästen. Man zeigt hier, was man hat und badet sich in der Menge. „Sehen und gesehen werden“ lautet das Moto. Für uns etwas gewöhnungsbedürftig. Wir waren zu früh da – vereinbarter Treffpunkt mit dem Argentinier sollte 2 Uhr nachts sein (um diese Uhrzeit fängt die Nacht hier erst an!). Unhöflicherweise warteten wir nicht auf ihn (ich kann an dieser Stelle schon verraten, dass wir ihn auch später nicht mehr trafen, was uns zugebenermaßen nicht wirklich traurig stimmte – es bleibt auch bis heute ungeklärt, ob er wirklich auftauchte.) Nachdem wir also mit Hilfe eines „Code-Word“ die Türsteher erfolgreich passierten, öffneten sich die Türen zu dieser Glitzer-Glamour-Welt. Hier stellten wir erstmal fest: wir waren unzureichend vorbereitet (d.h. OHNE Highheels, kurzem Röckchen oder Kleid, tiefem Ausschnitt, Handtäschchen und perfektem Make-up). Trotzdem hatten wir unseren Spaß und tanzten bis in die frühen Morgenstunden.
Den letzten Tag verbrachten wir bei schönstem Sonnenschein im Retiro Park. Hier lüftete sich auch endlich das Geheimnis um die Baumstämme im Kristallpalast. Sie sind Teil der Ausstellung des Künstlers Andy Goldsworthy „Im Inneren des Baumes“ (frei übersetzt). Er hat sie übereinander gestapelt, ähnlich einem Iglu. Man kann drum herum aber auch hinein gehen. Irgendwie beeindruckend, aber für mich unklar (und aus seiner Konzeptbeschreibung nicht hervorgehend), warum er das ausgerechnet im Kristallpalast aufgebaut hat, anstatt im Freien, wo es meiner Meinung nach viel besser zur Geltung kommen würde. So wirkte alles leider viel zu sehr eingeengt.




Als Andrea abreiste, wurde ich erstmal krank. Irgendwo hatte ich mich angesteckt – wahrscheinlich in der „Virenschleuder“ Metro, in der alles hustete und schniefte.
Einen Tag später kam dann auch schon Andy. Endlich – nach 7 Wochen! (JA, ich finde das ist eine verdammt lange Zeit!) Nachdem ich mich die ersten Tage von ihm pflegen und verwöhnen ließ, bummelten auch wir durch die Gassen Madrids, tauchten ins Nachtleben ein, und genossen den Sonnenuntergang im Retiro Park. Hier einige Fotos:



(Retiro Park:)

(wieder mal Plaza de Santa Ana, diesmal mit den Künstlern Lorca und Edelblut:)
(Nachtleben - hier in einer der Bars in Malasaña:)
Was sonst noch geschah…
Im Fotostudio war sehr viel zu tun: u.a. diverse Modeshootings – entweder Unmengen an Accessoires wie Handtaschen und Mützen, oder Models mit aktuellen Klamotten… Dann auch Schmuck und Uhren, die von Kurieren extra von den jeweiligen Geschäften angeliefert wurden. Viele Leute gingen also ein und aus bei uns.
Außerdem ist seit letzter Woche Unais italienische Freundin hier – Monica. Sie will länger bleiben und in Madrid arbeiten. Was, weiß sie noch nicht so genau. Erstmal macht sie einen Intensiv-Sprachkurs. Als Italienerin dürfte es ihr aber in kürzester Zeit gelingen, fließend spanisch zu sprechen. Ein klein wenig beneide ich sie darum…
Da Unai und Noe sehr gute Freunde sind, blieb es natürlich nicht aus, dass auch Monica erstmal im Bukowski „eingeführt“ wurde… - allerdings an einem Freitag… (ich hingegen wurde gleich beim ersten Mal ahnungslos dem „Bukowski-Mittwoch“ ausgesetzt – sollte mir das zu denken geben?)

(vlnr: icke, Monica, Unai, Noe)


Seit Mitte Oktober gibt es in Madrid nun das „Festival de Otoño“ (Herbstfestival). Einen Monat lang Theater-, Tanz- und Musik-Vorstellungen – international und mit vielen spannenden Künstlern. Ich habe mir bereits eine Tanzperformance von Akram Khan (englisch-indisch) und Sidi Larbi Cherkaoui (belgisch-marokkanisch), sowie ein Theaterstück vom West Yorkshire Playhouse aus England (Don Quixote als poppiges ‚Road Movie’) angesehen. Ein schöner Nebeneffekt ist auch, dass ich somit die Theater- und Performancebühnen in Madrid kennen lerne. Herrlich! Ich werde mir natürlich noch andere Sachen anschauen (von Blanca Li, Michael Laub, Peter Brook) – freu ich drauf!

Unterdessen wird es auch bei uns im sonnigen Süden kälter. Die Heizsaison hat begonnen und ich genieße wieder mal den „Luxus“ von Heizkörpern in der Wohnung. Zudem gehen in unserer WG merkwürdige Dinge vor sich: Noe fängt plötzlich an REGELMÄßIG zu putzen – und auch noch zu kochen (was sie nach eigener Aussage fast nie macht)! Ich bin beeindruckt und verwirrt. Der Grund für ihren Sinneswandel ist mir noch unbekannt, ich werde das aber weiterhin beobachten…

Zum Schluss noch ein kleiner Exkurs zum Thema „spanisch einkaufen“:
Andrea hatte sich ja geweigert, mit Andy haben wir es schlichtweg vergessen – in Madrid (wahrscheinlich auch in gesamt Spanien) geht man mit Rolli einkaufen, was nicht wirklich modisch aussieht (für die sonst so modebewussten Spanier), dafür aber unglaublich praktisch ist, denn man muss sich nicht mit vollen Tüten abschleppen. Ich habe ihn schon eine Weile lang in unserem Flur stehen seh’n, immer zwischen Neugier und „an Omas und Opas denkend“ schwankend. Bei uns sieht man ja meist nur alte und gebrechliche Leute damit rumlaufen, es dient also eher als (Geh- und Einkaufs-) Hilfe, was ein nicht wirklich ansprechendes, geschweige denn überzeugendes Image ist. Ganz anders in Spanien. Hier geht fast jeder mit einem Rolli einkaufen. Das gehört sozusagen zur Grundausstattung eines jeden Haushalts. Meine Mitbewohner können z.B. nicht verstehen, warum wir in Deutschland so ein praktisches Utensil NICHT benutzen. Ja, ich gebe ehrlich zu, bislang hat mich noch das deutsche „Oma-Image“ abgehalten. Aber spätestens nachdem ich Penélope Cruz im Almodovar-Film „Volver“ damit habe einkaufen sehen (und sie sah SEHR GUT aus damit!), wollte ich nun auch genauso anmutig aussehend einkaufen. So zog ich also aus, das Einkaufsglück mit Rolli zu suchen…

Es gibt in den Supermärkten übrigens eigene Schließvorrichtungen, wo man die Rollis für die Zeit des Einkaufs parken kann:

Dann ein weiterer „Kulturschock“: der Einkaufswagen bzw. -korb:

und so sieht das Ganze dann in Aktion aus (NEIN, ich hatte mich nicht extra für das Foto umgezogen - es entstand an einem anderen Tag -, und JA, ich weiß, es sieht aus, wie ein schlechtes Werbefoto…, das hält mich alles nicht davon ab, es hier zu zeigen)

Diesen Wagen-Korb hatte ich bis obenhin voll gepackt – und alles locker im Rolli verstauen können (was mich zutiefst beeindruckte).
Mein Fazit: SEHR praktisch, aber was das „anmutige Aussehen à la Penélope“ betrifft… für diesen auf spanische Größenverhältnisse ausgerichteten „Rolli“ bin ich leider etwas zu groß und konnte somit bei der B-Note nicht die volle Punktzahl erreichen… – von Anmut leider keine Spur!


Übrigens habe ich auch gesehen, dass sogar die Schulkinder hier mit einer Mini-Ausgabe des Rollis zur Schule gehen…

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi du,
super - eindrucksvoller Bericht. Hoffentlich schließt das nicht ein persönliches "Ich bin wieder da und erzähl mal wie es war-Treffen" aus. ;-) In diesem Sinne, Herbert